Dienstag, 15. Februar 2011

*10* Der Zirkel schließt sich

Im Norden Europas, in Schweden, mussten sie vor 2000 Jahren ihre Reisetaschen packen, die Vandalen. Im Land wären sie verhungert. Zu große Zahl und zu schlecht wirtschaftende Alis. Also richteten sie hoffnungsvoll ihre Blicke nach Süden, bestiegen Kähne, schwammen damit durch die Ostsee nach Süden, um dort ihr Glück zu suchen. Dort saßen schon die Italiener, die damals noch Römer hießen und die riefen den humanitären Notstand aus und versuchten, diese eigenartigen, hungernden Fremden draußen, vor den Grenzen zu halten, wie Berlusconi das jetzt im Süden, vor Lampedusa, versucht. Das ging bekanntlich nicht auf, das Römerreich zerbrach und der Strom der wandernden Völker ergoss sich über ganz Europa und Südrussland. Die Vandalen marschierten an der westlichen Spitze dieser Woge, setzten von Spanien nach Marokko über, marschierten nach Tunis und bestiegen dort wieder Kähne, um Sizilien, Sardinien, Korsika und Palma di Mallorca in Besitz zu nehmen und in Rom persönlich die Tassen zurecht zu rücken. Dann gerieten sie unter die Fänge verschiedener, wieder schlecht wirtschaftender Alis, und deren letzer war eine wachechte Sozialdemokröte. Sie verloren die Inseln, behielten aber Tunis, hatten erst mal 1500 Jahre Pause, zum Nachdenken, was sie allerdings nicht nutzten. Diese Eigenschaft teilen sie mit allen Mitbrüdern der auf diesem Planeten im Gleichschritt marschierenden Affen. Und deshalb nehmen die Völkerwanderungen kein Ende. Dies ist somit ein Naturgesetz, aber der große Albert Einstein konnte es nicht in seinen Relativitätstheorien unterbringen: Es wurde ihm nur jedes Mal schlecht, wenn er ihrer ansichtig wurde. Soldaten, die in Reih‘ und Glied marschieren, mit Flinten bewaffnet, hätten ihr Gehirn umsonst bekommen, befand er: das Rückenmark hätte für sie gereicht. Einer von diesen Rückenmarkbesitzern wollte doch heute tatsächlich 4000 seiner marschierenden Affen an den alten Gestaden von Karthago anlanden und eine Römerkette bilden, um die jetzt nach Norden schwimmenden Nachkommen der Vandalen draußen, in ihrem Elend zu halten.
Natürlich wird das so wenig gelingen, wie es dem mächtigen Amerika nicht gelang, das kleine Vietnam und das kleine Afghanistan, das kleine Venezuela und das etwas größere Brasilien noch mal als auszuplündernde „Föderaten“ ins krepierende Amerikanerreich einzugliedern. Wo bleibt die Intelligenz der Strucks und Guttenbergs? Hitler beschloss erst am 25. April 45, die „Alpenfestung“ auszubauen, zwei Tage vor seiner Götterverdämmerung. Unsere heutigen militärischen Analphabeten lassen die Soldaten im Hindukusch turnen, statt vor Salzburg zu schanzen. Doch was nützt beides, wenn die Ali-Wirtschaft Volksmassen zum Zigeunern zwingt. Halb Nordafrika wird nun durch das Mittelmeer nach Europa schwimmen und die Stämme der Deutschen und Franzosen vor sich her nach Norden treiben. Im Bunde mit den Tunis-Vandalen wird alsbald Griechenland marschieren, das gerade nordafrikanisches Verhungern einübt, während gleichzeitig eine Crew reisefertig gemacht wird, den Fuß dieser terristrischen Totalverrückten auf den Mars zu setzen.

Und wir? Gehen wir über die Ostsee, wieder dorthin, wo alles angefangen hat? Da dort immer noch nichts rechts wächst und weil aus geographischen Gründen dort die Wanderung ohnehin endet, muss der Strom der hungerenden Völker vom Horizontalmarsch ablassen und die Wände vertikal hochgehen, um den 4,5 % Allesbesitzern, zwar nicht eigentlich ihren uns geklauten Reichtum abzunehmen – die vielen gehorteten Möpse können niemand sättigen. Doch wir können sie am Kragen packen und sie dann auf die Zoologischen Gärten verteilen, neben den Affenkäfigen. Sie passen genau dort hin. Weil: Sie leiden schon lange an dem Gefangenschaftssyndrom der Affen, dem sinnlosen rhythmischen Hin- und Herwiegen des Bodies am Rednerpult und dem Gebrüll der Lautstärke von Alpha-Tieren. Habt ihr das schon mal beobachtet? Tut mir leid, dass mir gerade Lafontaine einfällt, der davon auch angesteckt wurde. Die Affen haben immerhin gelernt, dass das Brüllen nichts mehr bringt und halten wenigstens die Schnauze. Wie sehr überragte der in Philosophie etwas beschlagene große König Friedrich seine Affenherden, als er befand, das Preußen-Deutschland eigentlich zustehende Wappentier sei der Affe.

Heute, 14. Februar, Valentin, ist ein Markstein der Geschichte: China wurde die Weltwirtschafts-Nummer 2. Dieses China, das vor 33 Jahren nicht mal 40 % des Bruttosozialprodukts der Steinzeit-Kopfjäger von Papua erwirtschaftete, ist dabei, die Dominanz der Erde zu übernehmen. Weil ausnahmsweise ein bisschen Intelligenz in die Weltevolution kam, ausgehend vom Marx. Marktwirtschaft, nicht mehr unter der Egoismus-Fuchtel der Raubtier-Finanzkapitalisten, sondern unter der Fuchtel von Hammer und Sichel, zur Verwirklichung der umfassenden Brüderlichkeit aller Erdenbürger, die zu schaffen das „Opium für das Volk“, die Religionen, 7000 Jahre niemals fähig waren. Und weil das so ist, müssen sie wieder und wieder den alten Buhmann Stalin hervorkramen. Was der alles gemacht hat. Er kann gemacht haben, was er will: Wenn er nur den Bau jener Hunderttausenden an Panzern, Artilleriegeschützen und Flugzeugen zuwege gebracht hätte, mit denen er den welthistorischen Sieg über den Imperialismus im zweiten Weltkrieg möglich machte, wäre er schon als Großer in die Geschichte eingegangen, ungeachtet aller personalen Mängel dieser Persönlichkeit. Doch er hat mehr getan. Er hat u.a. gleichzeitig ein modernes neues Krankenhaus in der Kleinstadt Woroshba, Ukraine, erbaut. Und noch ein paar Kleinigkeiten. Und er hat nicht nur Wososhba damit bedacht. Er hat damit, in der Tradition der „Erwägungen“ der Pariser Kommune von 1871 stehend, von Marx ausgehend, die roten Banner der Freiheit über die Erde entrollt, die die Volksmassen im Osten Asiens und jetzt im Süden der Welt, in Lateinamerika und Nordafrika in Bewegung setzten, weil der Kapitalismus ihnen gar keine andere Wahl lässt, wenn sie nicht verhungern wollen. Der Gruhl-Absturz ist auf der Tagesordnung, das System kracht donnernd in die Tiefe. Und in Ägypten bilden sich jetzt die Räte, die Organisiertheit entsteht, ohne die keine Revolution siegen kann. Selbst die Konterrevolution kommt nicht umhin, einen „Rat“ zu präsentieren, der allerdings nicht vom Volk gewählt, sondern als kapitalistische Gouvernante der Revolution vor die Nase gesetzt wird. Soviel sie auch setzen: Wenn die Massen keine Arbeit und kein Brot kriegen, vereinigen sich alle aktuellen isolierten Revolutionen zu einer Weltrevolution sozialistischen Charakters. Um mit Marx zu sprechen: Es kömmt nicht darauf an, dass die Massen ihre Forderungen jetzt laut heraus schreien dürfen, sie müssen auch erfüllt werden. Es kömmt darauf an, diese beschissene Welt des Kapitalismus zu verändern. Ich gehe jede Wette ein, dass die Massen sich nicht mit dem Verspeisen eines Wahlzettels als Oblade abspeisen lassen. Sie wollen wenigstens „fünf Brote und 12 Fischlein“, sie wollen was zwischen die Zähne bekommen. Allerdings – und das ist das Schlimme: Wegen der bisherigen sozialen Lernunfähigkeit der Sapiens – sie sind nur groß in Zirkussen der Bambi- und Kameraverleihungen – ist auch die sozialistische Lösung dieser Frage aufgrund der desolaten Entwicklung der Welt nicht mehr als ein Seidenfaden. Doch es bleibt ewig das Beispiel und eine nie versiegende Sehnsucht nach Erfüllung der Forderungen der Pariser Kommune, formuliert in der Poesie des Bertolt Brecht:

„In Erwägung unsrer Schwäche machtet
ihr Gesetze, die uns knechten solln:
Die Gesetze seien künftig nicht beachtet
in Erwägung, dass wir nicht mehr Knecht sein wolln.

In Erwägung, dass ihr uns dann eben
mit Gewehren und Kanonen droht,
haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben
mehr zu fürchten als den Tod.

In Erwägung, dass wir hungrig bleiben,
wenn wir dulden, dass ihr uns bestehlt,
wollen wir mal feststelln, dass nur Fensterscheiben
uns vom guten Brote trennen, das uns fehlt.

In Erwägung, dass da Häuser stehen,
während ihr uns ohne Bleibe lasst,
haben wir beschlossen, nun dort einzuziehen,
weil es uns in unsren Löchern nicht mehr passt.

In Erwägung, es wird euch nicht glücken,
uns zu schaffen einen guten Lohn,
übernehmen wir jetzt selber die Fabriken,
in Erwägung, ohne euch reichts für uns schon.

In Erwägung, dass wir der Regierung.
was sie immer auch verspricht nicht traun,
haben wir beschlossen unter eigner Führung
uns nunmehr ein gutes Leben aufzubaun.

In Erwägung, ihr setzt auf Kanonen,
andre Sprache könnt ihr nicht verstehn,
müssen wir dann eben, ja, das wird sich lohnen,
die Kanonen auf euch drehn.“

Salut!
15.02.2011
Sybilla Engels

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