Dienstag, 22. Februar 2011

*12* Endzeit-Fokussierung: Guttenberg-Wetterleuchten

Vordergründig ist die Guttenberg-Schmieren-Komödie das Resultat des Agierens eines unreifen, völlig überforderten Tölpels, der in seinen Entscheidungen in den Bundeswehrskandalen (großes Klein-Massaker, Gorch-Fock-Skandal, Missbrauch der Ehefrau als Ilse-Werner-Truppenbetreuungs-Verschnitt) so schnell andauernd hin und her schwingt, wie die Affen im Zoo von Münster ihre Bodies im Gefangenschafts-Syndrom. Das gleiche Schwingen zeigt sich im Verhalten zu seinem größten Fiasko, dem Verlust aller wissenschaftlichen Reputation durch kompletten Diebstahl fremder Texte in seiner Doktor-Dissertation. Seine Arroganz von gestern, jedes Schuldanerkenntnis wegzufegen, schlägt heute schon in das Einziehen des Schwanzes eines geprügelten Hundes um. Oder, aus der Verhaltensforschung besser bekannt: Gestern krähte er noch als Doktoranden-Sieger wie ein Hahn nach gewonnenem Zweikampf auf dem Mist – heute gibt der gleiche Hahn auf, beginnt im Sand nach Futter zu scharren, als ob er nie was anderes gemacht hätte.

Hinter dem Vorhang dieses Theaters wurden indessen die Endzeit-Konturen deutlicher sichtbar. Stefan Weber, Lehrbeauftragter für Medientheorie an der Universität für angewandte Kunst Wien, beschäftigt sich seit 2002 auch wissenschaftlich mit der Plagiatsthematik. Er deckte in der „tagesschau.de“ den generellen Doktorandenschwindel auf. Von 300 geprüften Dissertationen waren 70 mit Plagiaten gespickt. Nur in 11 Fällen wurden den Plagiatoren die akademischen Grade aberkannt. Zu den Dieben geistigen Eigentums gehört der Österreichische Wissenschaftsminister Johannes Hahn, der jetzt EU-Kommissar ist. Weber hat, zusammen mit Kollegen, das der Universität Wien angezeigt, doch die trifft keine Anstalten, der Anzeige nachzugehen. Guttenberg hätte somit hinsichtlich seines Titels nicht sehr besorgt sein müssen, denn was dem österreichischen Wissenschaftsminister zuzubilligen ist, müsste nach dem Gleichbehandlungsgebot auch dem deutschen Kriegsminister als „Selbstverständlichkeit der Korruption im demokratischen Rechtsstaat“ zukommen. Der Unterschied zwischen Kairo und Tripolis einerseits und Berlin und Wien andererseits ist nur graduell: Bescheißen tun sie alle. Weil, wie Michel Glos von der CSU heute im SPIEGEL sagt: „Jeder sich selbst der Nächste ist“ und schon Marx sagte im „Manifest“ dass im Kapitalismus alle idyllischen Bande zerstört und durch die Eiseskälte der „baren Zahlung“ ersetzt wurden; es ist der generelle viehische Überlebenskampf der Individuen und ihrer Bandenbildungen, von der Räuberbande bis zum zivilisierten „Rechtsstaat“. Er tritt jetzt in seine End-Phase ein, in den Gruhl-Absturz der „Himmelfahrt ins Nichts“.

Nun wurden Doktortitel immer schon verkauft. Nach 1945 konnte man Führerscheine und Arztdiplome auf dem Schwarzmarkt kaufen. Einige dieser Ärzte leiteten damit sogar erfolgreich über die Jahre hinweg Krankenhäuser bis es aufflog. Was zeigt, wie wenig man eigentlich als Arzt wissen muss. Es ist bekannt, dass angehende Ärzte „sich durch die Prüfungen husten“. Die Dürftigkeit ihrer Kenntnisse wird auch offenbar in den Nachprüfungen, denen sie sich unterziehen müssen, wenn sie auf den Wagen der von ihnen viel geschmähten Homöopathie aufspringen wollen, um auch auf diesem Markt Kasse zu machen. Ein Bekannter erzählte, dass bei seiner Prüfung als Heilpraktiker auch Schulmediziner geprüft wurden, die das Heilpraktiker-Diplom erhalten wollten. Die dabei geforderten schulmedizinischen Grund-Kenntnisse, die jeder Homöopath nachweisen muss, kannten diese staatlich geprüften Ärzte der Schulmedizin mitnichten, so dass der Prüfer so erbost war, dass er ein Verfahren zur Aberkennung ihrer Approbation  einleiten wollte.

Ein Schlüsselerlebnis wird von dem nicht unbekannten Franz Konz geschildert, einem ehemaligen Finanzbeamten, der mit der Primaten-Urnahrung jede Krankheit heilt. Der berichtet, dass ihm ein Freund, ein Rechtsanwalt, eine Situation schilderte, wo er zusammen mit einem persönlichen Freund, einem Chirurgen, die Nacht durchgesoffen hätte. Am nächsten Morgen brütete er über Klienten-Akten ohne eines klaren Gedankens fähig zu sein. Er fragte sich, wie das gleiche wohl bei seinem Freund aussehen musste, der im Operationssaal seiner Arbeit nachzugehen hatte und er rief ihn deshalb an. Der antwortete: „Was willst du? 90% dessen, was wir machen, ist ohnehin Pfusch“.  

In dieser Situation tritt nun Helmut Schmidt auf, ein angejahrter, aber augenscheinlich ebenfalls zurück gebliebener Kriegsminister und wirbt für eine Charta, dass kein Mensch lügen dürfe. Dabei ist bekanntlich das Lügen und Betrügen ein Evolutionsvorteil; schon unsere Schimpansen-Vettern beherrschen das Milieu. Und alle wollen illegal Kasse machen. Also fälschen alle alle Prüfungsdokumente,  so gut oder sie schlecht sie eben können und ihre Prüfer sind ebenso faul oder korrupt, dass sie gar nicht ernsthaft prüfen, ob eine Dissertation tatsächlich koscher ist. Und wird es ihnen unter die Nase gehalten, zieren sie sich: Im Prinzip müssten sie alle akademischen Grade wieder einsammeln. Das Internet macht es möglich. Es deckt nicht nur den Diebstahl von Dokumenten aus dem Internet auf, sondern auch die früheren Fälschungen.  Und jetzt überschlägt sich diese Betrugsgesellschaft. Selbst Wissenschaftsminister marschieren zusammen mit Kriegsministern an der Spitze dieser kollektiven Diebstahlsbande. Und sie gehen allemal straffrei aus, weil die Korruption allgemein ist. Wer nicht mitmacht, fliegt raus. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Hinter der aktuellen Zunahme von Kleptomanie und Kleptokratie wird das Wetterleuchten der Endzeit sichtbar. Die weißen Herren, die Tuans und Sahibs dieser Welt, sind mit ihrem Latein am Ende. Als die Endzeit begann schmiedeten sie ein Bündnis mit den Nordafrikanischen Diktatoren, damit die ihnen die Hunger-Elends-Flüchtlinge vom Hals hielten, die das Resultat des Wirtschaftens eben dieser weißen Kapitalistenbande waren. Jetzt setzt eine Revolution in weltgeschichtlicher Sekundenschnelle ganz Nordafrika in Brand. Die Massen sahen keinen anderen Ausweg mehr, als zuzuschlagen. Damit gehen die Reste von Wirtschafterwerb erst mal in Massenumfang drauf und die Folge davon sind die sofort hochschnellenden Preise für Lebensmittel, was das Elend der Armen weiter verschärft und den Flüchtlingsstrom weiter anschwellen lässt. Die Sbirren-Funktion der einheimischen Polizei zum Abfangen der Flüchtlinge versagt vollkommen, weil die Polizei das Fracksausen erfasst hat.

Niemand will diese Flüchtlinge aufnehmen. Als es darum ging, mit dem Anreizen von Flüchtlingen den Kommunismus zu destabilisieren, waren die Flüchtlinge willkommen: „Sie haben mit den Füßen abgestimmt“, sagten die Auguren damals. Jetzt ist ihnen diese Volksabstimmung der Nordafrikaner der letzte Sargnagels ihres Systems, denn in ihrem Boot sitzen schon Millionen eingeborene weiße „Nordafrikaner“. Neben der Wirtschaft haben sie die Währungen ruiniert, ohne die Verantwortlichen zu stoppen und die angeblich „fehlenden Regeln“ (auch eine Helmut-Schmidt-Kreation; ein gewisser SPD-Ökonom Schiller erfand seinerzeit die „konzertierte Aktion“, ohne am Niedergang des Kapitalismus das Geringste zu bewirken) nun endlich zu erlassen. Die Billionenschulden der Reichen werden wiederum den armen Massen aufgebürdet. Nun strömen die farbigen Nordafrikaner in Massen in unser gelobtes Eldorado, das vor dem Kollaps steht. Die Teuerung Nordafrikas geht konform mit ähnlicher Teuerung bei uns, weil auch die Erdölproduktion in Nordafrika zum Erliegen kommt, wodurch der Ölpreis, der infolge der ungebremsten Spekulation wieder das Vorkrisenniveau erreicht hat, abermals weiter in die Höhe schießt. Zur gleichen Zeit werden die Hartz-Heloten mit 5 Mark abgespeist, mit der Begründung der Kanzlerin, es müsse ein Anreiz zur Arbeit bestehen und deshalb müssten die Hartz-Rechtsansprüche unter das Niveau der gedrückten Billiglöhne gedrückt werden. Von Menschenrechten und Gleichbehandlung ist dabei keine Rede.

Ich frage: Gemahnt das Verhalten sowohl unserer „Elite“ als auch der betörten Volksmassen nicht an totale Schizophrenie?

Ich frage weiter: Wo ist die Garantie, das nicht alsbald afrikanische Flammen auch aus unserem Scheißhaus schlagen?

Da ich Marxist bin könnte ich mich darüber freuen, dass der Kapitalismus wie im Bilderbuch nach dem Szenario des Dr. Karl Marx natur- und geschichtsgesetzlich untergeht. Als Bürger, der unter diesen Totalverrückten leben muss, kann mir das nicht gleichgültig sein. Was mir bleibt, ist die Hoffnung auf den in China herrschenden Marxismus, der es endlich geschafft hat, im Sozialismus ein System der Marktwirtschaft zu etablieren, das bestens floriert. Doch ist die Hoffnung wirklich berechtigt?

Reale Marktwirtschaft bringt reale Klassenspaltungen mit sich. Dass sich die Menschen völlig frei privatwirtschaftlich bereichern, dass sie ihres Glückes Schmied sein können, dass sie Millionäre und Milliardäre werden können bedeutet auf der anderen Seite, dass die Massen unvermeidlich verarmen und unzufrieden werden. Dadurch sind weder die Kapitalisten, noch die Volksmassen zufrieden gestellt. Die Freiheitfeinschmecker in China verbergen hinter ihrem Geschrei nach der Freiheit, jeden geistigen Mist des Kapitalismus verbreiten zu dürfen, dass es nur darum geht, die Staatsmacht von Hammer und Sichel total zu Fall zu bringen und aus der Klassendiktatur des Proletariats die Klassendiktatur der Kapitalismus zu machen: Es soll so werden wie in Europa und Nordamerika und die Idioten, die darauf in China rein fallen, sehen nicht, was für ein Elend und was für eine Brachialgewalt im sterbenden Kapitalismus freigesetzt wird.

In jeder der Niedergangserscheinungen bei uns tritt daher immer auch die Frage der Endzeit-Bedingungen grell in Erscheinung: Gibt es überhaupt ein soziales System, dass den Totalabsturz der Sapiens auf diesem Globus noch verhindern kann? Zeigt das paranoide Verhalten aller nicht, dass der Amoklauf des gegenseitigen Totbeißens einer Überpopulation von Ratten nicht schon unaufhaltsam begonnen hat?

Und, oh, kleines Wunder. Es kommt in diesen Tagen ein Büchlein auf den Markt, wenige Seiten, nicht mehr als das Kommunistische Manifest, und hat dem Manifest analoge Zielsetzungen sozialistischer Art. Ein alter Franzose hat es geschrieben, Stéphane Hessel, Titel: „Empört euch!“ Es wurde in Frankreich den Buchhändlern aus den Händen gerissen und bisher anderthalb Millionen Mal verkauft.

Das sind die Widersprüche in den Dingen. Unter längst erloschener Asche kommt neue Glut ans Licht, geistige Regungen die längst verschüttet schienen. Vielleicht kriegt dieser kranke Baum im Garten Eden doch noch die Kurve. Hoffentlich.

22.02.11

Sybilla Engels

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