Samstag, 29. Januar 2011

*01* Zeit, ein Tedeum anzustimmen?

NEWS
von der Firma
Barack & Mubarak

In der Nordafrikanischen Revolution wiederholen sich Züge der Oktoberrevolution, dem Wesen nach, niemals formal – wie das immer er in der Geschichte ist. Die Aussichtslosigkeit in Russland (ökonomische Unterentwicklung, nicht endende Kriegsentbehrungen, Anzeichen des beginnenden Zusammenbruchs des Kapitalismus), ließ 1917 die Massen revoltieren: Die Kette der kapitalistischen Staaten reißt stets an ihrem schwächsten Glied. Das Militär (Arbeiter und Bauern in Uniform) geht zum Volk über. Generaloberst Duchonin kommandierte noch eine intakte 14 Millionen-Mann-Fronttruppen-Armee und weigerte sich strikt, dem Befehl der revolutionären Sowjetregierung nachzukommen, die Kriegshandlungen unverzüglich einzustellen. „Also übergeben wir die Angelegenheit den Soldaten selbst zur Erledigung“, entschied Lenin. Acht Tage später schon war Duchonin von seiner Truppe bereits erschossen und der Krieg beendet.

In Nordafrika zeigt sich wiederum ebenfalls die ganze Aussichtslosigkeit des Kapitalismus, der nun in seine letzte Phase eingetreten ist. Die Menschen kommen seinem Imperativ nach: „Lernen! Gut ausgebildet sein!“ Die Bildung soll‘s noch bringen. Nichts kann aber die allgemeine Hartz-Welt-Verelendung aufhalten, wenn die technische Entwicklung so weit fortgeschritten ist, dass keiner der drei Sektoren der Volkswirtschaft unter den Ökonomie-Fesseln des Raubtierkapitalismus noch wachsen kann, wo insbesondere jetzt der Tertiäre Sektor wegschmilzt, wie Butter an der Sonne, der noch einige Zeit Wachstum gaukeln konnte. Die Menschen werden zur Herstellung von Gütern und Dienstleistungen immer weniger benötigt und irgendwann gibt es deshalb den letzten großen Revolutionsknall. Und nun ist Nordafrika wieder mal das schwächste Glied. Unterentwickelt in Bezug auf den Weltmaßstab, mit Ausgebildeten von Weltrang, die als Perspektive nur noch Vergammeln in Slums sehen und sich aus den Müllbergen ernähren, die die Reichen vor die Tore der Megatown Kairo kippen. (In Manila ist es nicht anders: Das eben ist die Globalisierung der Sache). Und da glauben doch solche Schießbudenfiguren wie der lächerliche Diktator Mubarak und sein amerikanischer Head-Driver-Boss, das könnte ewig so weiter gehen, bis in die aschgrauen Pechhütten.  

Der Form nach sind die Revolutionen in Nordafrika „Nationale Erhebungen mit rein sozialen Forderungen“. Dazu müssen als erstes die Banditen-Diktatoren weg, die im Auftrag des amerikanischen Oberherrn die Rute schwingen. Die USA stützen die Diktatur Mubaraks mit jährlich 2 Milliarden Dollar, für gutes Militär, zum Draufschlagen auf das Volk, was den ganzen Demokratur-Schwindel entlarvt. Mubarak gehört zu jenen „Strauchdieben in aller Welt“, die nach dem Zeugnis von Al Gore, 1993, in „Wege zum Gleichgewicht“, von der CIA aufgekauft wurden, wie der Tunis-Ali und der ganze Schwarm dieser amerikanischen Sachwalter, Gurgelschneider und Ferkelstecher, bis zum in der Satzung der SPD nicht vorgesehenen „Büro Schumacher“ in Hannover.  Jetzt, nach 30 Jahren absoluter Abhängigkeit des ägyptischen Potentaten von Washington, gibt der amerikanische Präsident Barack, seinem ägyptischen Strauchdieb Mubarak die guten Ratschläge, Menschenrechte und Freiheit und Demokratie in Ägypten einzuführen, wozu 30 Jahre Zeit gewesen wäre. Sie pfeifen beide auf dem letzten Loch und aus den fallenden Dominosteinen ist der elegische Song der Nürnberg-Verurteilten in der Haft von Spandau geworden: „Das ganze Scheißhaus steht in Flammen, und unser Arsch ist in Gefahr…“. Die ersten ägyptischen Prinzen und Geschäftsleute sind in dieser Nacht bereits mit Flugzeugen aus dem qualmenden Kairo getürmt. Nach Riad, Dubai und Amman. Wann werden sie, unter Mitnahme der dortigen Potentaten, weiterreisen müssen? Und die gepflegten Waffen kommen jetzt dem Volk zugute. Das ist so sicher, dass der Papst darauf Gift nehmen und es zum Dogma erheben kann. Amen!

Die stürzenden Oberhalunken glauben nun, dass sie ihr Regime noch dadurch retten können, dass sie dem Volk ihre zweite Garnitur als Salvatoren aufzuzwingen fähig sind. Ich wette eine halbe Flasche Cola dafür, dass niemand von den Aufbegehrenden zuvor alte russische Volksweisheiten zu Rate gezogen hat, doch es ist erstaunlich, dass sie genau um diese wissen (auch das ist die globalisierte Erkenntnis aller Getretenen): „Der Rettich ist nicht weniger bitter als der Meerrettich und die Kohle ist nicht weißer als der Russ“. Der Barack ist nicht wesentlich anders als der Mubarak – Nomen est Omen, man wundert sich manchmal über die Weisheit und das Timing einer offenbar wirkenden, noch unbekannten verborgenen höheren Weltintelligenz.

Wie oft diese Revolutionen auch noch niedergeschlagen werden: Sie werden am Ende siegreich sein. Sie sind ihrem Inhalt nach sozialistische Revolutionen, denn das, was die Massen anstreben, können sie nur noch mittels Sozialismus erreichen. Und deshalb ist ihre Revolution unüberwindlich. Das zu durchschauen fällt ihnen natürlicherweise zunächst ebenso schwer, wie den Evangelen der 1500-er Jahre. Evangelen und Katholen stritten sich in ganz Europa scheinbar nur um ein einziges Wörtchen: „Brot und Wein sind der Leib und das Blut Christi“ (Katholen) und „Brot und Wein bedeuten den Leib und das Blut Christi“. (Evangelen). Es ist – by the way – bemerkenswert, dass das heilige kommunistische Gemeinschafts-Abendmahl der Kirche nichts anderes ist als ein Relikt des Erinnerns an den frühen Kannibalismus der nicht eben lupenreinen Menschheitsgeschichte: Man frisst den „Menschensohn“ mit Haut und Haaren, säuft sein Blut - und fühlt sich danach super. In Gottes und Abrahams Schoß. Prost Mahlzeit! 

Über 150 Jahre (1500-1650) führten Katholen und Evangelen  permanent blutige erbitterte Bürgerkriege und internationale Kriege gegeneinander um diese knifflige Frage, was der ganze Abendmahl-Scheiß bedeuten soll zu entscheiden, wie anscheinend hoffnungslose Idioten. Doch es ging dabei um was ganz anderes, um sehr Reales: Die Gesellschaftsordnung „Feudalismus“ (wozu die Katholen die Herrschafts-Ideologie geliefert hatten; sie waren selbst größter Feudalherr) musste weg; der „Kapitalismus“ musste her, weil der nun ökonomisch effizienter war und unter Menschen, die keine Geschichtsgesetze kannten (sie wurden erst von Marx entdeckt) musste der revolutionäre Kampf ideologisch unter dem Banner einer neuen Spielart der überkommenen Religion geführt werden. Das lieferten die Evangelen und weil sie das Neue verkörperten, wurden sie, zum Leidwesen des Papst-Oberfeudalherrn, unüberwindlich, allmächtig. Das musste vom Christi-Stellvertreter-Gott deshalb in Blut erstickt werden: Es war der Vorläufer der jetzigen Domino-Theorie. Der Papst steckte damals dahinter, wie heute die CIA. Wie verhielt er sich zum Fünften Gebot, „Du sollt nicht Töten!“? Durch Aufruf zum Mord! In der Praxis machen sie immer das Gegenteil von dem, was sie in der gepflegten Theorie als Banner schwingen.

Den Massenmord bekam er auch. Unter anderem im 30-jährigen Krieg. Da wurde die Bevölkerung Deutschlands, 20 Millionen People, um 15 Millionen Köpfe kürzer gemacht. Der Papst hatte 1648 immer noch nicht genug, widersetze sich dem Frieden von Münster und Osnabrück aus Leibeskräften, doch es mochte nach diesem Blutrausch niemand mehr auf ihn hören. Einen solchen Obolus bezahlen in jüngster Zeit Irak und Afghanistan, wo die frommen christlichen Invasionsarmeen Hunderttausende Menschen auf dem Kerbholz haben und wo der Oberst Klein ganz allein, im Handumdrehen von dreißig Sekunden, ein Zehntel des Quantums der Pariser Bartholomäusnacht ganz allein schaffte.

Das am tiefsten der Erinnerung eingeprägte Mordrasen der Menschheitsgeschichte war die Bartholomäusnacht vom August 1572, in der 3000 Evangelen in Paris abgestochen wurden. In ganz Frankreich waren es 20.000 und im Anschluss daran flüchteten 200.000 aus dem Land, trotz schwerster Strafandrohungen und Verbot der Auswanderung: das erste ‚Republikfluchtgesetz‘ der Geschichte.

Ein Augenzeuge: „Da setzte überall in Paris ein Gemetzel ein, dass es bald keine Gasse mehr gab, auch die allerkleinste nicht, wo nicht einer den Tod fand und das Blut floss über die Straßen, als habe es stark geregnet“.

Der Papst, Gregor XIII., hochbeglückt, dass seinem Gebot nachgekommen war, „ließ bei Bekanntwerden des Massakers zum Dank ein Te Deum singen und eine Gedenkmünze prägen, mit einem Kreuz und einem Schwert tragenden Engel neben einem niedergemachten Protestanten“.

Auch vom Papst lernen, heißt siegen lernen? Warum eigentlich nicht? Warum sollte es sich schlecht machen, nach dem Niedermachen der Herrschaft des Finanzkapitals, dieser modernen Pest, unter der die Lohnabhängigen und Kolonialsklaven wie die Mittelschichten seit 150 Jahren aussichtslos vegetieren, eine Gedenkmünze mit dem ehrbaren Handwerkszeug Hammer und Sichel statt des Schlachtermessers zu prägen und den Lobgesang anzustimmen:
TE DEUM LAUDAMUS! DICH GOTT LOBEN WIR!
Wie man in den Wald rein ruft, so muss es doch irgendwann wieder raus schallen. Immer schön christliche Leidkultur pflegen! Oder?

Every Yours,  
Sybilla Engels   

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